Vorstellungen:
11.09.26 Köln
09.10.26 Köln
14.11.26 Köln
06.12.26 Köln
Der Abend der Wunder
„Diese Musik. Wie ein leiser Hall aus vergangenen Zeiten, als die Welt auch nicht in Ordnung war, aber ein wenig geheimnisvoller. Der große Magier von Lautern, einer der letzten seiner Art - die ihr Handwerk von alten Meistern, Geistsehern und Künstlern, die einer anderen Dimension der Zeit beheimatet waren, lernte, versteht sie noch, die magische Kunst, Menschen schweben zu lassen, Gedanken zu lesen, Dinge in andere Realitäten zu teleportieren.
Vielleicht werden sich im Verlauf dieser angenehm schaurigen Reise die Dinge und Menschen, die von Lautern hat verschwinden lassen, wieder auffinden, vermutlich aber führen sie in einem anderen Universum ein glücklicheres Dasein. Wann immer Sie, liebe Unbekannte, in eine andere Welt fliehen möchten, in eine Zeit vielleicht, in der es noch Pflaster auf den Strassen gab, und die Laternen in den Regen goldene Aureolen schmückten, in der man sich vielleicht vor Vampiren fürchtete und das Leben ein wenig unberechenbarer und verzauberter schien – dann seien Sie herzlich willkommen in der geheimnisvollen, magischen Welt des Markus von Lautern!“
Text: Sibylle Berg
Der wahrscheinlich letzte Magier seiner Art
"Kauzig, technisch perfekt (außer, es geht schief), alles aus einer einzigen Tasche gezaubert und mit einer hirnsprengenden Trick-Dichte, von der andere nur träumen können."
Dr. Mark Benecke
"Begnadeter Zauberer"
Günter Wallraff
In den goldenen, nebligen Jahren der 1920er, als die Welt noch an echte Wunder glaubte, erschien auf den großen Bühnen Europas und Amerikas ein Mann, der selbst die berühmtesten Magier in den Schatten stellte: Markus von Lautern.
Niemand wusste genau, woher er kam. Manche sprachen von einem verfallenen Schloss im Schwarzwald, andere von den mondänen Salons Wiens. Man munkelte über eine Karriere als Falschspieler, andere behaupteten, er sei ein Heiratsschwindler gewesen, der die Damen beim Tango verzauberte, bevor er sich der Bühnenmagie zuwandte. Lange trug er den besten Zauberern ihre Zeit die Koffer hinterher, bis er schließlich selbst die am besten behütetsten Geheimnisse und Kunstgriffe der magischen Zunft beherrschte.
Seine Fingerfertigkeit wurde oft mit der von Max Malini verglichen, seine theatralische Inszenierung erinnerte viele an Fredo Marvelli, und der Charme seiner Illusionen galt als Howard Thurston ebenbürtig. Als er zum Star des Varietés aufstieg, schrieb die Presse über Affären mit berühmten Opernsängerinnen und nährten den Mythos um seine Person.
Er teleportierte Eier, seidene Tücher und Münzen, als seien Raum und Zeit für ihn nur durchsichtige Schleier. Er verwandelte schlichtes Papier vor den Augen der Zuschauer in echtes Geld. Das sagenhafte chinesische Ringwunder beherrschte er wie kein Zweiter. Er las Gedanken, blickte in die Zukunft, heilte eine zerrissene Zeitung, als sei der Riss nie gewesen. Fünfhundert Tricks mit Seilen meisterte er, zwanzig unglaubliche Wunder mit Spielkarten zeigte er in einer einzigen Vorstellung, und Tische ließ er mühelos schweben.
Doch sein legendärstes Kunststück war die magische Zeitreise, wenige Stunden in die Vergangenheit und zurück. Zauberkünstler aus aller Herren Länder reisten ihm hinterher, setzten sich in die dunkelsten Logen und versuchten verzweifelt, das Geheimnis zu lüften – niemand schaffte es.
Eines Abends übertrieb Markus von Lautern. Vor ausverkauftem Haus in einem Kölner Varieté, unter dem flackernden Licht der Gaslampen, kündigte er an, sich diesmal wirklich hundert Jahre in die Zukunft zu schicken – genau bis ins Jahr 2026. Die Trommeln setzten ein, ein Blitz, ein Rauch… und er war fort.
Theaterdirektion, Polizei und Familie hatten keine Erklärung. Auch der Magische Zirkel blieb ratlos – kassierte aber die folgenden hundert Jahre fleißig die Mitgliedsbeiträge.
Er kam an. Hier, in unserer Zeit. Doch die Rückreise gelang nicht mehr. Die Magie, die er so meisterhaft beherrscht hatte, hatte ihn endgültig aus seiner Epoche gerissen.
Heute steht er wieder auf der Bühne – in einem kleinen, fast vergessenen Theater einer Stadt, die er kaum wiedererkennt. Die Lichter sind kälter, die Welt lauter. Doch seine Hände sind dieselben, und seine Stimme trägt noch den leisen Hauch der 1920er, und auch der Tango erklingt. Seine Show ist nun nostalgisch, melancholisch und unheimlich schön: ein lebendiges Echo einer versunkenen Zeit.
Manchmal blickt er still in die Menge, als suche er noch immer nach dem einen Zuschauer, der ihm den Weg zurück zeigen könnte.
Vielleicht sitzen Sie heute Abend in der ersten Reihe.
Vielleicht ist es genau Ihr Blick, auf den er wartet.






